Verhütungsmittel für Männer
Verhütungsmittel für Männer
Mo, 23. Februar 2026
Verhütung ist trotz fortschreitender wissenschaftlicher Entwicklungen bis heute überwiegend Frauensache. Aus dem Verhütungsbericht des österreichischen Sozialministeriums geht hervor, dass die Hälfte der Frauen die Kosten für Verhütung alleine trägt. 27,2 Prozent teilen sich die Kosten mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin, während 12,9 Prozent der befragten Frauen angaben, dass die Kosten vollständig von der:m Partner:in übernommen werden. Die finanzielle Belastung ist jedoch nur ein Aspekt der ungleichen Verteilung. Auch die Verantwortung für Anwendung und Organisation der Verhütung liegt häufig bei Frauen.
Obwohl das Kondom mit fast 40 Prozent weiterhin das meistgenutzte Verhütungsmittel ist, richtet sich der Großteil der verfügbaren Methoden an Frauen. Die Pille wird von 33 Prozent genutzt, Minipille und Hormonspirale jeweils von etwa 9 Prozent, die Kupferspirale von rund 8 Prozent. Für Männer bleiben damit neben dem Kondom lediglich die Vasektomie als Verhütungsoption. Vor diesem Hintergrund wurde die Forderung nach Verhütungsmitteln für Männer insbesondere durch ein wachsendes Bewusstsein für die Nebenwirkungen hormoneller Verhütung lauter.
Viele Frauen kritisieren, dass die sogenannte Mental Load, wie zum Beispiel der Kauf und die regelmäßige Anwendung, in Verhütungsfragen überwiegend bei ihnen liegt. Angesichts der heutigen wissenschaftlichen Möglichkeiten stellt sich daher die Frage, warum es noch immer keine zugelassene Pille für den Mann gibt.
Forschung läuft bereits
Tatsächlich wird derzeit an einer hormonfreien Pille für den Mann mit der Bezeichnung YCT-529 geforscht. Der Wirkstoff blockiert einen Vitamin-A-Metaboliten, wodurch die Spermienproduktion vorübergehend gehemmt wird. In Tierversuchen mit Labormäusen und Makakenaffen konnte eine Wirksamkeit von 99 Prozent nachgewiesen werden. Auch die Rückkehr zur Fruchtbarkeit wurde in diesen Versuchen nach wenigen Wochen erfolgreich bestätigt.
Im Jahr 2025 wurde die erste Phase der Studie am Menschen abgeschlossen. An dieser Phase nahmen 16 Partizipienten teil, wobei insbesondere die Sicherheit des Wirkstoffs sowie die Geschwindigkeit seines Abbaus im Körper untersucht wurden. Weitere Studien zur Verhütungszuverlässigkeit und zu langfristigen Auswirkungen müssen noch abgeschlossen werden, bevor eine Zulassung möglich ist. Besonders bemerkenswert ist, dass YCT-529 ohne Hormone auskommt und damit das erste orale Verhütungsmittel dieser Art wäre, sowohl für Männer als auch für Frauen.
Problematik der aktuellen Verhütungssituation
Die Tatsache, dass Verhütungsmittel größtenteils nur für Frauen verfügbar sind, wirft mehrere gesellschaftliche und medizinische Probleme auf. Ein wichtiger Aspekt ist die bereits erwähnte Mental Load. Als die Antibabypille in den 1960er-Jahren auf den Markt kam, galt sie als Symbol sexueller Befreiung und weiblicher Selbstbestimmung. In einer stark patriarchal geprägten Gesellschaft und unter dem Einfluss der katholischen Kirche stellte sie eine revolutionäre, feministische Errungenschaft dar.
Mit der Zeit geriet die Pille jedoch zunehmend in die Kritik. Einerseits nahm das gesellschaftliche Bewusstsein zu: Sexualkunde wurde im Lehrplan verankert, und durch den Zugang zum Internet konnten Frauen und Mädchen sich austauschen. Nebenwirkungen wurden von den Betroffenen erkannt, ernst genommen und der Pille zugeordnet. Andererseits rückten strukturelle Missstände in der Medizin stärker in den Fokus. Der weibliche Körper, der Zyklus und damit verbundene Prozesse sind bis heute zu wenig erforscht. Viele Frauen und Mädchen fühlen sich mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen.
Tatsächlich gibt es für zyklusbedingte Erkrankungen wie Endometriose nur wenige Behandlungsmöglichkeiten, und Diagnosen erfolgen oft erst nach Jahren. Mangelnde Forschung, unzureichend geschultes medizinisches Personal sowie patriarchale Vorurteile, die die Glaubwürdigkeit von Frauen untergraben, führen dazu, dass Betroffene lange leiden oder gar keine Diagnose erhalten. Dies verringert das Vertrauen in Ärzt:innen und Gynäkolog:innen und veranlasst viele Frauen dazu, auf alternative Verhütungsmethoden zurückzugreifen.
Verantwortung und gesellschaftlicher Druck
Durch die Einführung der Pille erhielten Frauen zwar mehr Freiheit, gleichzeitig aber auch die Hauptverantwortung für Verhütung. Mit dieser Verantwortung gehen gesellschaftliche Erwartungen einher. Möchte eine Frau sicher verhüten, kann oder will jedoch nicht selbst hormonell verhüten, bleiben nur begrenzte Alternativen. Die Vasektomie stellt eine Möglichkeit dar, ist jedoch nicht garantiert reversibel. Das Kondom weist einen Pearl-Index zwischen 2 und 13 auf, was bedeutet, dass innerhalb eines Jahres durchschnittlich 2 bis 13 Prozent der Frauen, die ausschließlich mit Kondom verhüten, schwanger werden.
Der Druck, in einer Beziehung für eine sichere Verhütung zu sorgen, bleibt damit überwiegend bei Frauen – selbst dann, wenn der Partner bereit wäre, Verantwortung zu übernehmen. Kommt es zu einer ungewollten Schwangerschaft, richtet sich gesellschaftliche Verurteilung zudem häufig gegen die Frau. Diese Rahmenbedingungen verdeutlichen, dass die Frage nach Verhütungsmitteln für Männer nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftspolitische ist.
Bis Verhütungsmittel für Männer auf den Markt kommen, wird es noch dauern. Doch gesellschaftlicher Druck kann den Prozess beschleunigen und Unternehmen dazu zu motivieren, Geld in die Forschung zu investieren. Gleichberechtigte Verhütung ist ein wichtiger Teil des feministischen Kampfes.